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Ich kann dem Glück einen Namen geben

Ein Triptychon von Lucie Prinz
Verheißung
Glück
Utopie
Ich hätte mir frischere Farben ausgesucht, doch so war es gewünscht; ich bin so geplant worden. Meine Herstellung hat 28 Jahre verschlungen und jetzt soll es genug sein: Die letzte Prüfung wurde vorgenommen und ich darf die Werkstatt verlassen; ein durchschnittliches Produkt, doch solide im Kern, ausgerichtet nicht unbedingt auf Schönheit, eher auf Tauglichkeit.
Wenn ich jetzt gefragt werde, was ich bin, suche ich nicht mehr nach Antworten; man erwartet von mir, daß ich darüber Auskunft geben kann. Diese bleibe ich nicht schuldig. Während meiner Entstehung setzte bald das Erwartete ein: Ich konnte erste Wörter bilden, dann Sätze, mit ihnen kam Erinnerungsvermögen. Seit dieser Zeit wechselte die Spannung zwischen Hoffnung und Verzweiflung einige Male. Ich habe das Umschlagen nicht gezählt - jedenfalls entstanden Wünsche und Ziele, vergingen, manche erfüllten sich. Der Ort, wohin der Weg gehen sollte, nannte sich Verheißung, Glück. Als ich fast fertig war, lernte ich den Begriff "Utopie" für das Gesuchte.
Jetzt kann ich mich verständlich machen, kann dem Glück einen Namen geben und die Verheißung sanft belächeln. Wirklich, ich kann mich verlassen auf meine Gedanken, weil ich sie eingeordnet finde, sorgsam aufgestellt auf langen Regalen, die nur mir gehören. Sie sind versiegelt, verschweißt in meiner Person. Nur über mich kann man in ihren Besitz gelangen, nur zusammen mit mir kann sich dieses Lager auftun!
Eingerichtet bin ich, fertig, frisch gewaschen. Zum Versand bereit warte ich schon auf Fragen, die an mich gerichtet werden. Und ich bin sicher, es gibt einen Empfänger für mich.