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UTOPIE

oder Vom Lächeln der Engel beim Flug
Ich Da habe ich eigens den weiten Weg gemacht, keine Mühe gescheut, um hierher zu gelangen, obwohl ich hätte wissen müssen, was passiert: Schon wie sie da stehen vor der Rampe, ihre Schwingen ausbreiten und mit einigen Schlägen deren Tauglichkeit zum Flug überprüfen!
Sport An meinem Platz auf dem mittleren Rang des großen Stadions meine ich sogar den Luftzug zu spüren, der von ihrer Übung herrührt. Routiniert wirken die Lichtgestalten. Hier zupft der eine Engel an den Trägern seines weißen Schleppkleides, einer anderer sucht, wie man das von Sprintern gewohnt ist, die endgültige Fußstellung für den bevorstehenden Start.
Signal
Den Startschuß übernimmt offensichtlich ein kleiner Mann, der sich geschäftig der Rasenfläche neben der Rampe nähert. Grau und unauffällig wirkt er auf den ersten Blick, aber er bewegt sich mit der Sicherheit eines Menschen, der keine Zweifel mehr an seiner Aufgabe hat. Manche der Zuschauer glauben, daß sich hinter diesem Mann Gott selbst verbirgt, denn wer sonst könne sich wohl so vollständig seiner Tätigkeit überlassen?
Haar
Die Stimmung ist gelöst im Stadion, wenn auch alle gespannt auf das Signal zum Aufbruch warten. Ein letzter Scherz von Engel zu Engel, und die Zuschauer kaufen jetzt kein Popkorn mehr. Nur eine Windbö will noch im letzten Moment ansetzen, um in das weite Rund zu stoßen, doch sie lenkt ihre Energie um zu einer feinen Brise, die nur auf den oberen Rängen noch in das Haar der Zuschauer greifen kann.

Jetzt hat der kleine Mann den rechten Arm senkrecht in den blauen Äther gereckt und seinen Zeigerfinger um den Abzug der Pistole gekrümmt - groß und weithin sichtbar wird sein wichtiges Amt auf einer Monitorwand wiedergegeben. Keine Engelsschwinge regt sich mehr, konzentriert wartet die weiße Schar auf den fälligen Startbefehl. Die gespannte Ruhe überträgt sich von der Rasenfläche auf die ansteigenden Ränge, auch die letzten Rufe, noch einmal aufperlend in erregter Lustigkeit, ersterben in der Luft.
Glück
Himmel

Da überrollt schon das Brausen der Schwingen den Hall des Schusses, flutet gleich Orgelklang den weiten Raum, trifft auf das Publikum. Die Menge bäumt sich auf, denn auf dem Monitor kann man das Lächeln der Engel aus der Nähe bewundern, und überwältigt vom Glück, so, als hätte niemand das vorher geglaubt, schallt es auf den Rängen: "Sie fliegen! Sie fliegen!" Und wirklich: Wie Tauben, die aus ihrem Schlag plötzlich befreit sind, erheben sich die Engel nach kurzem Anlauf mit mächtigem Flügelschlag in den Luftraum, um in alle Richtungen aufsteigend den Himmel zu erobern. Einem Schneegestöber gleich tanzen sie im kreisenden Flug über dem Stadion, schweben federleicht hinunter auf den Rasen und sammeln sich allmählich am Startplatz. Ach, es ist prächtig mit anzusehen, wie sie da stehen vor der Rampe, ihre Schwingen ausbreiten und mit einigen Schlägen deren Tauglichkeit zum Flug überprüfen!
Licht
An meinem Platz auf dem mittleren Rang des großen Stadions meine ich sogar den Luftzug zu spüren, der von ihrer Übung herrührt. Routiniert wirken die Lichtgestalten. Hier zupft der eine Engel an den Trägern seines weißen Schleppkleides, einer anderer sucht, wie man das von Sprintern gewohnt ist, die endgültige Fußstellung für den bevorstehenden Start.
Weg
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Da habe ich eigens den weiten Weg gemacht, keine Mühe gescheut, um hierher zu gelangen, obwohl ich hätte wissen müssen, was passiert: Den Startschuß übernimmt offensichtlich ein kleiner Mann, der sich geschäftig der Rasenfläche neben der Rampe nähert...

© Lucie Prinz, Bonn 1996